Kristall-Marathon – Ein Lauf unter der Erde

Ein Lauf unter der Erde

500 Meter unter der Erde ging es im Bergwerk Merkers am Sonntag, den 18. Februar für Markus zur Sache. Der Merkerser Halbmarathon (22,75 Kilometer) sollte als Vorbereitungs- und Trainingslauf für den Hermannslauf herhalten.

Ein Bericht von Markus Spieker
Um 8:00 Uhr werden wir Läufer per Seilfahrt nach unten gebracht – 550 Meter im Förderschacht nach unten in 90 Sekunden. Bereits in den engen Fahrkörben, mit denen früher die Kumpel unter Tage gefahren sind, bekommt man ein erstes beklemmendes Gefühl davon, was einen unten in den Gängen erwarten wird. Unten angekommen, werden wir auf LKW verteilt und diese fahren schnell durch die engen und niedrigen Gänge – man muss hoffen, dass die Fahrer die Strecke kennen. Wer hier den Kopf zu weit rausstreckt, der tut das nur ein einziges Mal.

Wir kommen im „Großbunker“ an, wo alles vorbereitet ist, was das Läuferherz so begehrt: Kaffee, Kuchen, Musik. Kurz vor dem Start des 10er Rennens gibt es noch eine nette Lasershow zu „My Immortal“. Mit dem Steigerlied werden dann die Läufer um 10:00 Uhr auf den 10er geschickt. Um 11:00 darf ich dann auch endlich starten und noch vor dem Countdown nehme ich mir nochmal vor, dass ich es langsam angehen lasse und erst einmal die Runde checke, denn schließlich muss ich sieben Mal die 3,25 KM-Runde laufen und dabei immer 55 Höhenmeter erklimmen.

Es geht direkt in den längsten und steilsten Anstieg und ich frage ich mich, ob es nicht vielleicht doch mehr Höhenmeter gibt. Genauere Angaben sind schwierig, hier unten steht kein GPS zur Verfügung. Überraschend für mich ist, dass es eigentlich immer hoch oder runter geht, wirklich flache Abschnitte gibt es kaum. Grob gefühlt laufen wir in einer Acht, an einer Stelle gibt es eine Begegnungsstelle. Immer wieder starke, wenn auch kurze Steigungen rauben die Kräfte. Dreimal geht es sehr steil bergab, dass an gemütliches Rollenlassen nicht zu denken ist. Bis zu 15% Gefälle sind es und ich denke an Sabine und ihre Trainingstipps zum Bergauf- und Bergablaufen. Zusätzlich irritiert der glänzende Boden, welcher optisch an Glatteis erinnert, aber genügend Gripp bietet, wenn man sich traut Gas zu geben – ach ja: knüppelhart beschreibt den Boden am ehesten und ich bereue es, auf den Minimalschuh gesetzt zu haben. Gefährlicher ist aber der oft am Boden liegende Salzstaub. Zur Sicherheit sind Helm und Lampe vorgeschrieben. Der größte Teil der Strecke ist ausreichend beleuchtet, aber es gibt mehrere dunkle Ecken, in denen ich froh bin, mich zur Stirnlampe auf dem Fahrradhelm entschieden zu haben. Bereits nach der ersten Runde ist klar: langsamer Trainingslauf hat sich erledigt. Das Wettkampffieber hat mich gepackt und ich nehme mir vor konstant das Tempo zu halten. Ich tauche für lange Zeit in einen Tunnel ab psychisch und physisch sowieso. Zum Glück habe ich mir eine gute Playlist zusammengestellt und mit Ramstein, Slayer, Amon Amarth und Powerwolf „grabe“ ich mich durch die Teufe. Auf der letzten Runde überhole ich noch einige Altersklassenkonkurenten und nach 1:44:04 habe ich die 22,75 Kilometer hinter mir. Ich bin fix und alle, meine Beine brennen, doch ich bin froh und glücklich. Am Ende werde ich 35. im Gesamtfeld (216 Starter) und 10. meiner Altersklasse M35.

Mein Fazit: Ein wirklich spannendes Lauferlebnis mit besonderen Bedingungen (22 Grad warm, kaum Luftfeuchtigkeit, 500 Meter unter der Erde, Staub und ein ständiges Hoch und Runter). Als Trainingslauf habe ich alles bekommen, was ich wollte und ich denke, dass ich nochmal zurückkommen werde – allerdings nicht für einen Marathon, denn 13 Runden im „Tunnel“ müssen nun wirklich nicht sein.

Alle Ergebnisse vom Merkerser Halbmarathon findet ihr hier

Bilder findet Ihr  hier

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